" Förderverein Reformator Fürst Georg III. e.V. "

"Fürst Georg ist frömmer denn ich, wo der nicht in den Himmel kommt, werd ich wohl heraus bleiben " M. Luther

Der Reformator in Warmsdorf

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Protokoll 4.7.2008
Gutachten Dr. Bode+Kritik
Schreiben an LDA Halle
Stellungnahme Gerner
 
 

 

Klaus Gerner Warmsdorf

Stellungnahme

Nach der Wende konnte ich in unserem Ort drei Denkmale vor dem Verfall retten :

Die ehemalige evangel. Kirche in Warmsdorf:

Sie war seit vielen Jahrzehnten dem Verfall preisgegeben. Der Gemeindekirchenrat beschloß am 3. Dezember 1985 den Abriss, was jedoch unterblieb, weil kein Geld vorhanden war. Sie dümpelte vor sich hin und die Dorfbewohner holten sich aus ihr zu DDR-Zeiten Baumaterial.

Unsere Familie hat das desolate Gebäude erworben und in ca. 8 Jahren Eigenleistung, mit Unterstützung von Freunden und Bekannten, zu einem Mehrfamilienhaus umgebaut. Das Gebäude wird seit 1998 wieder genutzt.

Studierzimmer vom Reformator Fürst Georg III. Völlig verfallen existierten im Warmsdorfer Park die Fragmente einer Kapelle ca. aus dem 14. Jahrh. Fürst Georg nutzte dieses Gebäude um 1550 als Studierzimmer. Eine Wiederherstellung erschien unmöglich. Für die noch verhandenen Sandsteinbögen gab es bereits Kaufinterressenten aus den alten Bundesländern.Nach Auswertung von alten Gemälden, dem Vermessen der Fundamente, Berechnung und Erstellen von Bauzeichnungen reichte ich einen Bauantrag ein und übernahm die Baubetreuung. Mit Unterstützung der Gemeinde und der Hilfe von ABM-Frauen des Ortes wurde das Gebäude wieder hergestellt. Es wird heute für Ausstellungszwecke genutzt.

Die evangel. Kirche Amesdorf :

2003 kippte durch faulende Dachsparren die Turmspitze, Steine fielen vom Turm, die Kirche wurde per Gutachten baupolizeilich gesperrt, ein Betreten untersagt. Die Kosten für Restaurierung von Turm und Fassade sollten um 150.000 € liegen. Eine unvorstellbare Summe für die kleine Kirchengemeinde. In 2 1/2 Jahren Eigenleistung ohne Firmenbeteiligung konnte ich die Kirche, oft unterstützt von einem Helfer, wieder sanieren.

2006 wurde sie feierlich der Öffentlichkeit übergeben und ist wieder ein kulturelles Zentrum des Ortes.

Bei diesen drei Vorhaben arbeitete ich effektiv direkt mit dem örtlich zuständigen Bauamt zusammen, zu anstehenden Fragen wurden von dort Empfehlungen gegeben und Entscheidungen gefällt. Mit dem Denkmalamt hatte ich praktisch nichts zu tun.

Nun hoffte ich 2007, daß ich mit diesen gesammelten Erfahrungen und trotz der beim Schloss Warmsdorf erwarteten größeren Anforderungen, auch hier den Versuch unternehmen könnte, das überregional bedeutende Denkmal vor dem Verlust zu retten.

Unter Zeitdruck, denn der Zustand war bereits beängstigend. Wegen der formalen Zuständigkeit und wegen des des erhofften Erfahrungsschatzes versuchte ich die Unterstützung des zuständigen Landesamtes für Denkmalpflege Halle zu erhalten.

Diese Hoffnung war umsonst, wie der Ablauf der letzten 10 Monate zeigt.

Vier, bereits seit dem 1.Juli 08 hier für 6 Monate verfügbare, hoch motivierte ABM-Helfer, sollten mit Vorbereitungsarbeiten zum Aufsetzen des Daches, wie lose Mauersteine abnehmen und ersetzen, Vorbereitung der Mauerkronen usw. beschäftigt werden. Danach wäre das Dach noch 2008 durch Fachfirmen aufgesetzt worden. Da die ABM-Kräfte durch die jetzt neu aufgestellten Hüden des Denkmalamtes nicht vorbereiten können, kann auch das Dach nicht aufgesetzt werden, Regen wird weiter die Gewölbe vernichten.

Trotz der inzwischen durch hilfsbereite Sponsoren für 2008 eingeworbenen 62.000 €, die für das Aufsetzen des Daches mit Biberschänzen gereicht hätten, muß ich unter den gegebenen Umständen, vor allem nach der völlig überraschend plötzlich abgegebenen "Gutachterlichen Stellungnahme 09/2008", den Versuch zur Rettung des Schlosses als nicht durchführbar abbrechen.

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Der hier für Warmsdorf vom LDA Halle praktizierte Beistand, ist hoffentlich nicht der BRD-Normalfall, sondern eine unrühmliche Ausnahme.

Falls die Untertützung anderswo ebenso ist, wäre die ersatzlose Streichung der Denkmalämter im Interesse der bauwilligen Besitzer von Denkmalen eine ideale, kosten- und zeitsparende Zielstellung.

Immense Beträge in Millionenhöhe könnten dem Steuerzahler erspart werden, bzw. der Rettung der Denkmale direkt zugeführt werden. Ein gewaltiger Gewinn für die Bundesrepublik.

Das wäre, nach vorhergehender Schulung der Bauingenieure in den Bauämtern in denkmalpflegerischer Hinsicht und die Übertragung der Entscheidungskompetenzen direkt auf diese örtlichen Bauämter, organisatorisch leicht möglich und mit vertretbarem Aufwand machbar, das Ergebnis mustergültig und ideal.

Direkt würde der Denkmalbesitzer mit den zuständigen Verantwortlichen vorab verhandeln können, die später seinen Bauantrag genehmigen werden. Keine Kompetenzrangeleien, exakte Zuständigkeiten, kurze, direkte Bearbeitungs- und Genehmigungswege mit hoch motivierten Fachleuten direkt vor Ort, das positive Ergebnis sofort messbar und am Denkmal realisierbar.

Nun hoffe ich aber im Interesse anderer Besitzer und ehrenamtlich engagierter Sanierer von Denkmalen immer noch, dass so ein Ablauf wie hier vorgestellt, anderswo nicht üblich ist und dass dadurch die historische Kultur in Deutschland auch mit den bisherigen Strukturen weiter gepflegt werden kann.

Für die gesamte, aus mehreren Gebäuden bestehende Schlossanlage Warmsdorf, hat der zu erwartende Verfall des Schlosses noch eine zusätzliche negative Komponente: Die anderen privaten Besitzer von Gebäuden und Grundstücken werden nun natürlich mangels eines Vorbildes, auch nicht investieren.

Das ganze Gebiet der ehemaligen Wasserburg in Warmsdorf wird damit nun voraussichtlich leider zum Ruinengelände.

Klaus Gerner 15.7.2008